Die eigentliche Idee zu unserem podcast…… ist dem polnischen Eigensinn zu verdanken, frei leben zu wollen, an Freiheit zu glauben und der Sehnsucht nach Normalität. Leider ist es im wahren Leben ganz anders. Corona hat uns viel geraubt, aber auch Zeit zum Nachdenken geschenkt. Es hat unsere Wahrnehmung der Welt, unsere Bedürfnisse verändert. Wir müssen mit vielen Einschränkungen leben und vieles akzeptieren. Aber es gibt einen Weg. Wir laden Sie ein Fern-Führungen-Podcast zu nutzen um auf diesem Wege nach Polen zu reisen, interessante Leute kennenzulernen, von anderen Ländern zu träumen und Pläne zu schmieden.

Die Arbeit an dem Podcast hat uns ganz viel Freude bereitet. Wir rechnen mit ganz vielen Reisehungrigen, die ihre Freude daran finden, was wir vorbereitet haben. Zu unserem Gespräch und zu folgenden laden wir Sie herzlich ein.


Foto: Ewa Keller-Wielopolska

Das Redaktionsteam um Maria Jajte und Magdalena Tejwan-Bopp, freut sich auf Kommentare & Anregungen. Einfach eine E-Mail schreiben, dann meldet sich das Team bei Ihnen.
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Heute sprechen wir – mit Ewa Keller-Wielopolska – unsere Freundin und Reiseleiterin für wichtige Gruppen, die von Nürnberg und Umgebung stammen. Wir sitzen und trinken Kaffee, ich leider in Nürnberg (Norymberga) und Ewa in Ansbach.

Guten Tag liebe Ewa, schön dich zu hören und zu sehen am Computerdisplay.
Wir kennen uns schon seit vielen Jahren. Du betreust viele unserer Gruppen, die wir für Nürnberger und für Reisende aus Mittelfranken organisieren. Wann hat dein Abenteuer in dieser Hinsicht begonnen? Macht es viel Freude unsere Heimat Polen den Fremden zu zeigen?
Ich weiß, dass nicht nur wir aber auch deine Reiseteilnehmer dir treu bleiben.
Allein, dass du unsere nächste Reise begleitest, macht unser Angebot wertvoller.
Kaum fällt Dein Name und im nun bildet sich eine neue grosse Reisegruppe!

Guten Tag,

tja meine Vermittlung zwischen Deutschland und Polen hat in der mittelfränkischen Partnerschaft mit Pommern ihre Quelle. In den 90. Jahren 

hat man im Bezirk Mittelfranken die ersten Schritte Richtung Polen und genau zu sagen Richtung Danzig unternommen. Man brauchte für die gegenseitigen Besuche nicht nur Dolmetscher, aber auch Personen für welchen die polnischen Verhältnisse keine Tabula rasa waren. Also landete ich als freie Mitarbeiterin im Büro für Regionalpartnerschaften. Ich erinnere mich an einen offiziellen Besuch der Vertreter der Woiwodschaft Danzig im Januar 1994 in Franken und konkret in Bad Windsheim. Der damalige Botschafter Janusz Reiter hielt auf Hochdeutsch eine sehr interessante Rede, welche großen Applaus verursachte. Aber außer positiver Resonanz waren auch Stimmen der Empörung zu hören. So sind halt die Franken – etwas zurückhaltend gegenüber allem, was neu ist. Und Polen war für sie fast wie ein weißer Fleck. Klassische Vorurteile und Stereotypen waren bei der Gesellschaft stark ausgeprägt. Immer wieder bin ich mit den Stereotypen und dem falschen Bild Polens konfrontiert worden, was mich motivierte, sich dagegen zu stellen. Übrigens, auch heute gibt es viel zu tun, wenn es um Vorurteile geht. 

Ein großes Problem für die Deutschen war auch die sprachliche Barriere. Also fing ich damit an Polnisch zu unterrichten, Dolmetschen, später der Eintritt in die Deutsch – Polnische Gesellschaft in Franken e.V. (http://www.dpgf-nuernberg.de/) was letztendlich zu einer Zusammenarbeit mit „Polenreisen“ führte. Ich wollte einfach aktiv auf dem Feld der deutsch–polnischen Beziehungen werden. 

Das Team im Büro für Regionalpartnerschaften mit Frau Monika Micksch bemühte sich damals unermüdlich um die näheren Kontakte in fast allen Bereichen des sozialen Lebens. Jugend Austausch, Bürgerreisen, Kommunalpartnerschaften… das war und ist bis heute eine enorm wichtige Plattform der gegenseitigen Beziehungen. So nahm ich an den verschiedenen Reisen als Dolmetscherin bzw. Reiseleiterin teil. Jede dieser Art von Reisen, ob das die Bezirks Gruppe, der DPGF oder auch EBW Gruppe wurde, alle waren für mich eine anregende Erfahrung, eine Quelle an Informationen und vielfältigen, meistens positiven Erlebnissen.

Welche von den vielen Reisen, die du so engagiert begleitest hast, hat dir am besten gefallen? Was hat dich überrascht? Und was ist dir im Gedächtnis geblieben?

Die ersten Busreisen nach Polen dauerten fast zwanzig Stunden was für die Reisenden eine ziemlich große Herausforderung war und keine Ermutigung für die nächsten in diese Richtung. Trotzdem, die guten, schönen Erfahrungen der ersten Reisegruppen, verbreitet vor allem dank Mundpropaganda, waren der beste Anreiz Polen zu besuchen.  

Auch bei den Mitgliedern der DPGF war die Bereitschaft nach Polen zu fahren sehr ausgeprägt. Der vor kurzem verstorbene Vorsitzende, Froben Schulz war ein leidenschaftlicher Befürworter Polens und dadurch auch ein Initiator der vielen tollen Reisen zu den östlichen Nachbarn – Warszawa (Warschau), Kraków (Krakau) mit Ost Polen, Wrocław (Breslau) und Krzyżowa (Kreisau )  – einfach unvergessliche Eindrücke. 

Die Bürgerreisen, zur Abwechslung, fuhren auf Grund der Partnerschaft immer in die Region Pommern. Und Pommern ist sehr vielfältig, also bietet es sich auch für einen sehr anspruchsvollen Geschmack an mit einer Reihe an Touristenattraktionen. Egal ob auf dem Land oder in den Städten. Im Programm waren immer verschiedene Begegnungen mit den Bürgern oder Vertreten der Behörde geplant. Die Reisen der Gesellschaft oder auch des EBW-s (Evang. Bildungswerk im Dekanat Ansbach e.V.) wurden als Studienreisen thematisiert und nicht mit einer einzigen Region verbunden. Aber im Prinzip ging es darum das Land und die Leute kennenzulernen oder zu entdecken.

Ich erinnere mich… Es war eine Reise, an der auch ich teilgenommen habe. Ein Reiseteilnehmer hat den Stadtführer ständig mit einem Buch in der Hand kontrolliert. Ich denke, um ein Reiseleiter oder Stadtführerin zu sein, muss man Menschen mögen und manchmal auch schwierige Fragen von Fremden vertragen. Was sind deine Erfahrungen in diese Hinsicht?

In den Gruppen welche ich begleitete, konnte man die Vertrete fast aller Berufsgruppen finden, aber meistens waren es die Rentner. Ich erinnere mich an eine junge Dame, die mir offen zugegeben, dass sie sich an die Fahrt nach Pommern aus Langeweile angemeldet hatte. Na ja, mit der Frau habe ich nicht leicht gehabt. Ich musste sie manchmal um Mittenacht aus der Bedrängnis retten. Und es passierte nicht nur einmal. Ich denke das Abenteuer und die Überraschungen sind einer Reise vorgeschrieben und ein Reiseleiter muss auf verschiedene Szenarien vorbereitet sein.  Und das verleiht der Arbeit einen besonderen Reiz und Neugier.

Zum Beispiel gab es einen Sturm auf der See, als ich mit der Gruppe nach Hela (polnisch Hel) mit dem Schiff unterwegs war. Da mussten einige feststellen, dass sie seekrank sind. Vorher hatten sie über ihre Schwäche keine Ahnung gehabt. Eine andere Situation ist ebenfalls mit der Halbinsel Hela verbunden. Die letzte Rückfahrt war gegen 16.00 Uhr angesagt, leider ist ein Ehepaar am Schiff nicht erschienen. Was macht die Reiseleiterin? Sie überredete den Kapitän zu warten, also eigentlich stoppte das Schiff und rannte in Richtung der Ortschaft, um die Leute zu suchen. Gott sei Dank gab es nur eine Strasse zu durchsuchen. Letztendlich ist der Reiseleiter für alle zusammen und für jeden einzelnen verantwortlich. Vielleicht noch eine kleine Geschichte. Es passierte während des Aufenthalts in Pommern. An Fronleichnam war ich mit der Gruppe in der Kaschubei unterwegs. Wir hielten an einer Kirche (vorgesehen war nur 20 Minuten), wo gerade die traditionelle katholische Prozession stattfand. Viele aus der Gruppe wollten Fotos machen und sind der Menschenmenge nah gekommen. Das sonnige Wetter und die aufgehobene Stimmung wirkten so überzeugend, dass eine Frau der Prozession beitritt. Nach 20 Minuten saßen schon alle brav im Bus außer dieser Dame. Eine Weile dauerte es bis ich sie endlich entdeckte, so musste ich den Tagesablauf etwas ändern. Zum Glück nahm es der Rest der Gruppe mit Verständnis was nicht immer offensichtlich ist. Ich denke, dass die Arbeit eines Reisebegleiters sich von den Aufgaben, die der Stadtführer ausführt, unterscheidet. Man ist mit der Gruppe 24 Stunden am Tag zusammen, man trägt eine größere Verantwortung, man soll flexibel und auch überzeugend sein falls etwas nicht nach Plan geht.

Welche neue, wunderschöne und fabelhafte Route wirst du uns für die Zeit nach Corona empfehlen? Auch vielleicht solche für diejenigen, die schon viel vom Nachbarland Polen gesehen haben?

Ich, persönlich freute mich sehr auf die geplante Reise nach Südpolen unter dem Motto „Moderne und Volkskultur“, welche leider wegen der immer noch herrschenden Pandemie nicht zustande kam. Es ist ja sehr schade, weil diese Region reich an vielen wunderschönen Stätten mit Holzarchitektur ist. Dazu kommt noch die besondere Gastfreundlichkeit des goralen Volks, sowie ihre Traditionen und Bräuche. Und eine bezaubernde Landschaft! 

Noch fast völlig unbekannt für die meisten Deutschen sind – meine Meinung nach – die Südost- und Ostregionen des Landes. Auch die nördliche Ecke um Białystok mit ihren Nationalparks und weiter Richtung Augustów, Suwałki. Man könnte z.B. die Besichtigung der Region mit einem Besuch in Grodno, Weißrussland verbinden – eine Reise so ähnlich wie die Studienreise nach Polen/West Ukraine mit Lemberg in 2019. Das war wirklich ein Erlebnis der höchsten Stufe. Nicht nur das Programm war toll ausgedacht, auch die erstklassigen Stadtführer blieben in Erinnerung. Polen kann aus verschiedenen Blickwinkeln besucht werden. Egal, ob die Seenplatte, Gebirge, Städte, Nationalparks, Schlösse, kulinarische Köstlichkeiten, Wälder, Kulturleben jeder findet was für sich, das Land kann den anspruchsvollsten Geschmack befriedigen. Genau wie ihr – meine Freundinnen Magda und Mariola-, die sich schon seit über 20 Jahren um die individuellen Touristen und die Gruppenreisen kümmern und sie immer fachlich gut beraten. 

Hoffentlich werden wir schon bald die Reisen im wirklichen Leben führen können und nicht nur online. Das neueste Angebot Slow Travel wartet doch auf die Realisierung! Es ist sehr reizend und wie gesagt: kann den anspruchsvollsten Geschmack befriedigen! Auch dank Euch, meine Damen!

Welche Stadt, ist deiner Meinung nach von Touristen fast vergessen und liegt dir am Herzen? Und warum?

Katowice! Das ist meine Stadt! Hier bin ich geboren, hier studierte ich auch ein paar Jahre und obwohl ich dort nur vorübergehend lebte, kehrte ich immer wieder nach Katowice sehr gerne zurück. In Polen ist die Stadt mit Kohle verbunden, sie ist die Hauptstadt von Oberschlesien, die Stadt einer bekannten Industrieregion mit dem Bergbau. Und diese Stadt soll eine Touristenattraktion sein? Ich kann nur „ja“ sagen! Es gibt dort tatsächlich viel zu entdecken. Katowice hat sich von der grauen, Kohlenstadt zu der grünsten Stadt Polens entwickelt. Der Schlesische Park mit 620 Hektar, mit der Seilbahn, ZOO und vielen Attraktionen ist der größte Park des Landes. Dann die moderne, sogar futuristische Architektur wie das neue Konzerthaus des Nationalen Rundfunk-Symphonieorchesters, imposante Sport- und Veranstaltungshalle genannt Spodek, neue Gebäude der K.Kieślowski-Fakultät für Radio und Fernsehen der Schlesischen Universität als das schönste Ziegelgebäude bei dem internationalen Wienerberger Brick Award 2020 mit dem Hauptpreis gekrönt,

auch das neue Schlesische Museum, das sich zum Teil unter der Erde befindet (beim Besuch des Museums fand ich sogar ein altes Foto meines Opas mit den aufständischen Waffenbrüdern),auch Nikiszowiec, ehemalige Bergarbeitssiedlung aus Backsteinhäusern, Mariacka Straße mit vielen Lokalen, der Marktplatz mit dem Schlesischen Theater – es ist eine sehenswerte Stadt, wo es für Langeweile keinen Platz gibt.

Sehr interessant! Letzte Frage. Wie kommst du während der Corona Zeit zurecht? Wir haben es alle besonders in der Touristik nicht leicht.

Ehrlich gesagt, als die ganze Geschichte mit Corona ausbracht, dachte ich, bei der hochentwickelten Wissenschaft, wo es scheint, dass der Mensch schon fast alle Geheimnisse der menschlichen Existenz und der Natur beherrscht und entdeckt hat, dass wir nach kurzer Zeit die Pandemie vergessen.

Na ja Corona hat uns immer noch im Griff. So sind wir dazu gezwungen das Leben so zu meistern, dass wir mit wenig Schaden wie möglich davon kommen. 

So wie die meisten von uns muss ich auf einige Sachen, Gewohnheiten verzichten oder mich einschränken. Das, was mir ziemlich große Sorgen macht sind nicht die finanziellen Probleme der Gesellschaft, sondern dem großen Schaden an der Psyche des Menschen, von den Kindern angefangen bis zu den Alten! Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Hoffnung auf ein baldiges Ende nicht zu verlieren.

Vielen Dank liebe Ewa für so viele Tipps und Informationen und, dass, du – die beste Reiseleiterin für die Mitelfrankengruppen und ein unglaublich positiverer und interessanter Mensch – heute so viel Zeit für unsere Zuhörer und mich gefunden hast.

Oh danke, das ist aber großzügig von Dir! Dabei versuche ich nur, dass sich die Reisenden einfach gut fühlen, dass die Franken gerne ohne Angst vor Diebstählen, angeblicher Homophobie, Rassismus und ähnlichen Vorurteilen Polen besuchen, dass keine Reise wegen der Politik abgesagt wird. Die Politiker kommen und gehen und das Land mit seiner Geschichte, Landschaft, mit den Sehenswürdigkeiten und dem gastfreundlichen Volk bleiben und sind der Reise wert. Dieser Meinung wurde auch von Herrn Froben Schulz geteilt, was seine Aktivitäten in der Deutsch – Polnische Gesellschaft in Franken e.V. bestätigten und was viele von uns sehr schätzen. 

Also, auf Wiederschauen, ich kann meine Koffer sofort packen!

Uns allen wünscht unser Unternehmen Polenreisen und Informationszentrum der Stadt Krakau aus Nürnberg Normalität, viel Gesundheit und dass wir uns bald in Polen wieder sehen!
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