Die eigentliche Idee zu unserem podcast…… ist dem polnischen Eigensinn zu verdanken, frei leben zu wollen, an Freiheit zu glauben und der Sehnsucht nach Normalität. Leider ist es im wahren Leben ganz anders. Corona hat uns viel geraubt, aber auch Zeit zum Nachdenken geschenkt. Es hat unsere Wahrnehmung der Welt, unsere Bedürfnisse verändert. Wir müssen mit vielen Einschränkungen leben und vieles akzeptieren. Aber es gibt einen Weg. Wir laden Sie ein unseren Fern-Führungen-Podcast zu nutzen um auf diesem Wege nach Polen zu reisen, interessante Leute kennenzulernen, von anderen Ländern zu träumen und Pläne zu schmieden. Wir haben unsere besten Stadtführer in Polen gefragt: „Wie ist Ihr Leben?“, „Wie sehen Sie Ihren Beruf, Ihre Stadt und Ihre Zukunft aus Ihrer aktuellen Perspektive?“. Die Arbeit an dem Podcast hat uns sehr viel Freude bereitet. Wir rechnen mit ganz vielen Reisehungrigen, die ihre Freude daran finden, was wir vorbereitet haben. Zu unserem Gespräch und zu folgenden laden wir Sie herzlich ein.

Das Redaktionsteam um Maria Jajte und Magdalena Tejwan-Bopp, freut sich auf Kommentare & Anregungen. Einfach eine E-Mail schreiben, dann meldet sich das Team bei Ihnen.


Foto: Ewa Bochińska

Heute sprechen wir mit Frau Ewa Bochińska. Sie ist unsere Freundin und Stadtführerin in Warschau und Umgebung. Wir sprechen über Warschau und andere Themen. Uns trennen fast 1000km, weil Ewa in Warschau lebt und ich in Nürnberg bin.

Dzień dobry Ewa, schön dich zu hören. Letztes Mal haben wir uns im „Museum Polin“ in Warschau getroffen. Wir haben uns gut unterhalten, aber damals habe ich mich nicht getraut dich direkt anzusprechen, warum du Stadtführerin geworden bist, und warum deine deutsche Sprache so schön klingt. Ich bin immer neugierig, warum jemand diesen Job als Fremdenführerin oder Guide auswählt und noch dazu in so einer großen Stadt wie der Hauptstadt von Polen?

Guten Tag, dzień dobry, danke für deine Einladung zum Gespräch über meine Stadt Warschau.

Vorneweg will ich sagen, dass ich eine waschechte Warschauerin bin. Hier geboren und aufgewachsen. Schon als 5-jähriges Mädchen habe ich mich vielleicht nicht in die ganze Stadt verliebt, sondern in ein Gebäude. Dieses besondere Gebäude steht immer noch, direkt im Zentrum von Warschau. Damals sah es für mich großartig und zugleich magisch aus. Der Name des monumentalen Hochhauses im sozrealistischen Zuckerbäckerstil erbaut lautet „Palast der Kultur und Wissenschaft“. Die erwachsenen Warschauer, z.B. mein Vater mochten das Palais nicht besonders, weil es als sogenanntes Geschenk von Josef Stalin eher als Symbol des Soviet-Regimes galt. Für mich jedoch war der Kulturpalast ein Inbegriff von Schönheit und kleiner Heimat. Jedes Jahr, wenn ich aus den Ferien nach Hause kam und von Weitem die gespitzte Silhouette des Stalin Kolosses erblickte, dachte ich immer: endlich zuhause Warszawa, das ist mein Zuhause, von hier will ich niemals weg.

Ich muss zugeben später habe ich viele schönere Weltstädte gesehen, aber für mich stellte mein Warszawa ein einzigartiges Wunder dar. Die Stadt, die im 2.Weltkrieg von den deutschen Nationalsozialisten beinahe völlig zerstört wurde, ist wie der Phoenix aus der Asche auferstanden und strahlte immer mit ihrer Energie.

Ich war sozusagen Zeugin der allmählichen Auferstehung meiner Stadt. In den 60er Jahren standen im Zentrum immer noch zerstörte Gebäude, die nach und nach entweder abgerissen oder saniert worden sind.

Vor allen auf Wunsch der Warschauer wurde das historische Zentrum wiederaufgebaut. Es entstanden neue Stadtbezirke, die Infrastruktur wurde modernisiert. Der rasante Umbruch kam jedoch nach der Wende 1989 und vor allem mit dem Eintritt Polens in die EU 2004. Innerhalb der letzten 20 Jahre verwandelte sich Warschau in eine topmoderne Metropole – die ganz neue City entstand im Zentrum. Wolkenkratzer sprossen wie Pilze aus dem Boden, um “ meinen Kulturpalast “ herum. Dabei hat die Stadt nichts von ihrem sagenhaften Charme eingebüßt. Im Gegenteil! Etwa 200 000 Studenten geben der Atmosphäre von Warschau noch mehr Farbe und Vitalität. Stell dir vor, jeder zehnte Warschauer ist ein Student!

In diese aufregende Stadt möchte ich alle herzlich einladen.

Als ich noch in Polen gelebt habe, beneidete ich die Warschauer um ihre Vielfalt.  Es ist die Hauptstadt, Museen, Kunstgalerien, Geschäfte, Unis…die große weite Welt!  Es muss ein Privileg sein hier zu leben und hier zu arbeiten, oder?

Es ist eindeutig ein Privileg für mich als Stadtführerin in Warschau zu arbeiten. Ich kann vielen Touristen, auch zahlreichen Schülern und Politikern, die wichtigsten repräsentativen Gebäude in Polen zeigen

Über spannende Momente der Geschichte zu erzählen, ist auch sehr reizvoll für mich.

Ein Beispiel: Seit 1980 steht das historische Zentrum von Warschau, die Altstadt, auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Manche würden fragen: Wieso hat man die Kopie der mittelalterlichen Stadt so hoch gewürdigt? Die UNESCO-Kommission wollte damals die Entschlossenheit, den Ehrgeiz, die Großzügigkeit der polnischen Nation ehren. Die Altstadt nämlich war wie das Königsschloss wurden originalgetreu getreu und sehr pietätvoll wiederaufgebaut. Dabei spielten die Spenden der Polen eine entscheidende Rolle.

Zu den Top-Aktivitäten einer Reise nach Warschau gehört der Königsweg mit dem Königsschloss, seinen schön angelegten Gärten. Sein neuzeitliches Gegenüber, der in den 1950er Jahren errichtete Kulturpalast, bietet von seiner Aussichtsplattform im 30. Stock einen Rundum-Blick über die Stadt.

Auf den großzügig angelegten Boulevards entlang der Weichsel lässt es sich entspannt flanieren und eine Pause vom geschäftigen Trubel der Stadt einlegen. Besonders attraktiv präsentiert sich das Panorama von Warschau bei einer Schifffahrt, entlang des Flusses.

Außerdem findet jeder in meiner Stadt etwas für sich – Historiker können das interaktive Museum des Warschauer Aufstandes https://www.1944.pl/en

oder das Polin Museum https://www.polin.pl/en

über die Geschichte der polnischen Juden besichtigen, Archive erkunden ( wie das Ringelblum Archiv, https://de.wikipedia.org/wiki/Emanuel_Ringelblum https://www.jhi.pl/en

wo das Leben im Jüdischen Ghetto dokumentiert wurde)

Außer zahlreichen Kunstgalerien gibt es ganz spektakuläre Museen bei uns, z.B. dem Plakat, Neon, der Karikatur oder sogar „Vodka gewidmet

Im Kulturzenter Koneser im Warschauer Stadtteil Praga ist zurzeit die Ausstellung The Art of Banksy zu erleben. Dies ist sicherlich eine einmalige und großartige Möglichkeit, die Arbeiten dieses mysteriösen Briten zu bewundern und sich an ihn zu erinnern! Die Ausstellung ist mit 100 Werken sehr groß und umfangreich.

Musikliebhaber werden auch auf ihre Kosten kommen – klassische Musik kann man in der National Oper oder der Philharmonie genießen. Manche kommen extra im Sommer um im romantischen Ambiente des königlichen Łazienki Park die Freilichtkonzerte von Frederic Chopin zu erleben. Auch Jazzmusik erklingt in zahlreichen Theatern und Klubs. Und dies alles auf höchstem qualitativen Niveau, glauben Sie mir! Sie werfen das Stichwort, wir, ihre Ratgeber antworten und schmieden schon mit ihnen die Pläne! Hier in meiner Stadt ist wirklich so viel Schönes zu erleben….

Damals solltest du unsere Gruppe auf den Jüdischen Spuren durch Warschau führen. Es ist dir auch phantastisch gelungen. Es war spannend und so interessant, dass sich sogar die Reiseleiterin auch eine Ewa, wie Du, sich extra bei uns bedankt hat.

Ich weiß, dass du dich hier in Warschau exzellent auskennst. Sicherlich hast auch du deine Lieblings Route? Verrate sie uns bitte!

Vielen Dank für die netten Worte.

Wer die Identität Warschaus verstehen möchte, sollte sich ausreichend Zeit für die Geschichte des Warschauer Ghettos und des Warschauer Aufstands nehmen, die im Rahmen von Stadtführungen und interaktiven Ausstellungen anschaulich vermittelt wird.

Was die schönste Route angeht, für mich ist es eindeutig der Königsweg mit den eleganten Palästen, schönen historischen Kirchen, z. B. die Heiligkreuzkirche.

Für Musikliebhaber hat die Kirche einen besonderen Stellenwert, weil hier das Herz Fryderyk Chopins bestattet ist. Wir streiten manchmal um ihm mit den Franzosen. Sie wundern sich nicht selten, wenn wir sagen, dass Fryderyk ein halber Pole war und wir sehr stolz auf ihn sind.

Ein Besuch des Fryderyk-Chopin-Museums steht für Japaner immer auf dem Programm. Sie wollen sich detailreich dem Leben und Werk des berühmtesten Komponisten und Pianisten Polens widmen. Das ist für die japanischen Gäste ein Muss!

Auch die pietätvoll wiederaufgebaute Altstadt kann einem regelrecht den Atem rauben!

Meine Stadt vermochte aus dem Schatten ihrer grausamen Vergangenheit hervorzutreten. Sie hat ihren Stolz und ihren eigenen Charme. Sie ist modern, alternativ und am Puls der Zeit. Meiner Meinung nach ist Warschau die aufregendste, abwechslungsreichste und quirligste Großstadt, die ich kennen. Diese boomende Metropole hat eine magische Anziehungskraft auf Besucher und zieht ganz sicher dich, mich und bestimmt auch unsere Touristen, schnell in ihren Bann.

Wenn man viel mit verschiedenen Leuten aus vielen Kulturen zu tun hat, kann es vorkommen, dass es manchmal schwierig ist alle zufrieden zu stellen. Du magst deine Kunden sicherlich, sonst wärst du keine Stadtführerin geworden. Wie kommst du mit komplizierten Fragen und Menschen zurecht?

Natürlich gibt es unterschiedliche Touristen in den Gruppen. Man muss ständig auf diverse Fragen gefasst sein. Manche wollen mehr von der alten Geschichte hören, andere lieber vom heutigen Leben in Polen, andere sogar stehen auf die brisanten Gerüchte der neusten Politikszene.

Mit s.g schwierigen Touristen können wir auf eine tolerante und humorvolle Weise umgehen. Wir Warschauer lieben Scherze, leben gern schnell und reagieren schlagfertig. Warschauer sind als Schlitzohre des Landes bekannt, für uns gibt es keine schwierigen Fragen und Antworten.

Wir sind direkt und ehrlich! Und so ist es gut!

Warschau ist sehr schön, sehr interessant, eine stolze Stadt. Gibt es auch Interessantes in der Umgebung? Masowien, auf Polnisch Mazowsze ist nicht nur eine historische Landschaft in Polen. Masowien zieht sich überwiegend östlich der Weichsel um Warschau. Es ist bekannt für klassische Musik, bunte Folklore, Geschichte und vieles andere mehr.

Was sollten sich neugierige Besucher hier unbedingt anschauen? Ich bin gespannt, was dir als Kennerin gefällt. Was empfiehlst du uns in 50 bis 100 km Entfernung?

Ganz bestimmt ist Warschau eine Reise wert. Im Walzer -und Polonaise Tempo von Frederic Chopin kann man hier unvergessliche Momente erleben.
Ich komme wieder auf Chopin zurück. Außer den Freilichtkonzerten im Łazienki-Park, und Chopin Museum in Warschau, empfehle ich das romantische Dorf Żelazowa Wola, 60 km außerhalb von Warschau, wo er vor 211 Jahren geboren wurde und wo man das bestimmte Genius Loci von Frederic spüren kann……..
In der Nähe der Żelazowa Wola liegt Nieborów, wo man im barocken Palast interessante Geschichten und Anekdoten über die berühmte aristokratische Familie Radziwiłł hören kann.

Für bunte Folklore ist das Städtchen Łowicz bekannt, nicht weit vom Geburtsort Frederick Chopin`s.

Einen Tagesausflug nach Lodz,Łodź würde ich empfehlen, jawohl, die Stadt Lodz, auf Polnisch Łodź wohin Vicky Leandros ihren Teo mitnehmen wollte.

Sie hatte Recht! Lassen Sie sich überraschen!

Wir haben uns damals im jüdischen Restaurant „Warsche“ vom Polin Museum getroffen und dort gegessen. Es war sehr gut. Sicherlich ist in der größten Stadt von Polen jede Art von Küche vertreten? Ich erzähle unseren Kunden oft von guter polnischer Küche. Welche Adressen sind deiner Meinung nach hier die Besten?

Es gibt viele gute Restaurants in Warschau. Die Kette Pierogeria ist nur ein Beispiel von vielen.

Bei uns heissen Maultaschen Pierogi. Es gibt sie mit diversen Füllungen – Sauerkraut, Pilzen, Kartoffeln mit Quark gemischt s.g Ruskie, Bigos, ein Gericht aus Sauerkraut ist neben Maultaschen unsere nationale Spezialität. Lassen sie sich auch verführen von den polnischen Suppen! Im jüdischen Polin-Museum finden sich auch Gerichte der koscheren Küche.

Eine deutsche Touristin hat mal lachend eine spontane Bewertung gegeben “ Wer in Polen verhungert, der ist selber schuld “
Sie werden es nicht bereuen!

Von einer Reise voller guter Erinnerungen bringt man auch gern etwas Interessantes und Typisches für diese Region oder Stadt nach Haus mit. So kann man auch die polnische Wirtschaft unterstützen. Was kauft man bei unseren Nachbarn und wo? Hast Du einen Lieblingsladen?

Viele interessante Souvenirläden gibt es in der Altstadt. Mein Liebling dabei ist ein Souvenirladen neben des Altstadtmarktes, wo man unter andere polnische Plakate kaufen kann. Polnische Plakatkunst ist doch weltberühmt. In Volkskunstladen Cepelia kann man schöne Keramik und bestickte Leinen-Decken bewundern und erwerben auch bunte Holzspielzeuge für die Kinder. Polnisches Kristall und silberner Schmuck mit Bernstein wird auch gerne gekauft.

Wie kommst du während der Corona Zeit zurecht?

Na ja, Corona, Covid, Pandemie wir haben es alle nicht leicht.
Aber Warschauer wollen lieber nicht meckern, sondern versuchen innovativ zu sein. Manche organisieren On-line Spaziergänge. Andere denken um, z.B. verkauft eines der Touristenbüros Kuchen!

Wir sind immer kreativ gewesen. Warschau hatte immer den Ruf einer unbeugsamen Stadt.

Es ist wahrhaftig sehr schwierig für uns alle. Wir wollen jedoch auf bessere Zeiten warten und freuen uns schon auf Touristen, die kommen und von unserem Warszawa begeistert sein werden.

Vielen Dank liebe Ewa für die kostbaren Informationen und Tipps.

Schön zu hören, dass auch die Warschauer Guides so viel Herz in ihre Arbeit investierten. Wir haben heute nicht nur eine sehr interessante Person getroffen, sondern eine wahre Liebhaberin der Stadt Warschau. Eine tolle, kompetente und ohne Zweifel charmante Touristenbegleiterin. Danke schön liebe Ewa und bis bald!

Mich hast du schon für Warschau begeistern. Auf Wiedersehen in Warschau, do widzenia!

Ich danke dir für interessante Fragen und die Zeit für mich. Ich glaube fest, dass die deutschen Touristen, die nach Warschau kommen werden sich hier sehr gut fielen und erleben unvergessliche Momente. Also bis bald, auf Wiedersehen, do widzenia!

Uns allen wünscht unser Unternehmen Polenreisen und Informationszentrum der Stadt Krakau aus Nürnberg Normalität, viel Gesundheit und dass wir uns bald in Polen wieder sehen!
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